Montag, 30. Juni 2014

Sightseeing Japan: Hiroshima & Miyajima

Endlich gibt es mal wieder ein Bericht zu meinem Japanaufenthalt. Es ist zwar schon ein Jahr her, aber dadurch, dass ich 4 Monate dort gelebt und gearbeitet habe, habe ich soooo viel erlebt, dass es noch viele Fotos und Geschichten gibt. =) Heute also:

Sightseeing Japan: Hiroshima & Miyajima


Wir sind einen Tag von Kyoto aus mit dem Shinkansen nach Hiroshima und Miyajima gefahren. Das hat wunderbar an einem Tag geklappt und sich wirklich gelohnt.

In Hiroshima sind wir direkt zum Peace Memorial Museum gefahren. Dies ist dem Atombombenabwurf, dessen Folgen und vor allem der Friedensbotschaft gewidmet. Mit der Straßenbahn nur ein paar Stationen vom Bahnhof entfernt. Es war brütend heiß und wir waren froh, als wir im klimatisierten Museum ankamen. Direkt im Eingangsbereich stand eine große Uhr. Die Atomuhr. Sie ist Kunstwerk und Mahnmal zugleich: Das oberste Zahnrad dreht sich umso schneller, je größer die atomare Bedrohung in der Welt ist (wie das berechnet wird, war leider nicht erklärt). Das Zahnrad gaaaaanz unten ist zur Hälfte in Beton eingegossen, also nicht beweglich. Wenn irgendwann die Bewegung ganz unten angekommen ist wird sich die Uhr selbst zerstören.


An der Kasse die Überraschung: Der Eintritt in dieses berühmte Museum kostet 50Yen! Das sind etwa 30cent! Die Dame erklärte uns freundlich, dass dies ein Ort des Friedens sei und diese Botschaft an alle gesendet werden soll. Da darf der Geldbeutel kein Hindernis sein.

Im ersten Saal wurden Videos und Hörspiele abgespielt, um den Tag des Abwurfs zu visualisieren. Zudem gab es eine große Karte von Hiroshima. Der rote Punkt zeigt die Explosion der Atombombe und es standen danach tatsächlich nur noch die Häuser, die man dort sieht. Alles andere war Schutt.


Es gab zahlreiche Exponate. Zum Beispiel eine Uhr, die genau im Moment dieser Tragödie aufhörte zu laufen und eine Schuluniform, die von der Detonation völlig zerschlissen ist. 


Danach kamen mehrere Räume mit den Auswirkungen der Detonationen. Zahlreiche Bilder von Krankheiten und toten Menschen, dazu lebensechte Puppen, denen die Haut schmalz. Es war einfach schrecklich. Ich fühlte mich sehr bedrückt und beobachtete ersatunt wie diverse Familien mit ihren Kleinkindern durch die Ausstellung streiften. Die Kinder tobten nicht, weinten nicht, nein, sie schauten sich all diese Grausamkeiten ganz genau an. Beeindruckend und merkwürdig zugleich. Auf jeden Fall war der Aufbau der Ausstellung genau richtig. Mich hat all dies so aufgewühlt, dass der anschließende Friedensbereich eine viel intensivere Wirkung auf mich hatte.

Man braucht also definitiv ein dickes Fell, aber es lohnt sich wirklich in das Museum zu kommen.

Anschließend sind wir durch den Peace Memorial Park geschlendert und haben dies hier entdeckt:


In all den Glaskästen sind Kraniche aus Papier. Alle Schulklasse, die hier her ins Museum kommen falten vorab Kraniche und schenken sie dann dem Museum. Sie sind ein Zeichen von Hoffnung und Frieden. Auch gibt es in Japan die Legende, dass man einen Wunsch von den Göttern bekommt, wenn man 1000 Kraniche faltet. Sadako Sasaki, ein Atombombenopfer, erkrankte an Leukämie und faltete vergeblich zahlreiche Kraniche, um gegen ihr Schicksal zu kämpfen. Seit dem wurde der Kranich das Symbol für die Friedensbewegung und den Widerstand gegen atomare Bedrohungen. 
Die Kästen sind voller Kraniche, alle von Kindern gefaltet und noch dazu werden die Kästen regelmäßig geleert und neu bestückt, da es so viele sind! Schaut genau hin: Das sind ALLES kleine Kraniche!!!


Ein paar Meter weiter war der Genbaku Dome: Das letzte noch erhaltene Gebäude, das genauso wie es nach dem Atombombenabwurf aussah erhalten wurde.


Nach diesem sehr lehrreichen, aber auch bedrückenden Vormittag und Mittag ging es zurück zum Bahnhof. Dort aßen wir dann noch etwas Typisches aus Hiroshima: Okonomiyaki! 

Es war sooooooo lecker! Ich hatte die Variante mit Udonnudeln und mein Mann die mit Ramennudeln. Beides war toll, aber ich finde meine Variante bis heute noch besser. ^.^


Mit dickem Bauch ging es dann weiter nach Miyajima: Eine kleine vorgelagerte Insel mit einem sehr berühmten buddhistischen Tempel. Dort wo die Fähre ankam gab es erst einmal eine kleine Einkaufsstraße, einen rieeeeeeesigen Holzlöffel und hohe Temperaturen.


Und dann kamen wir beim Tempel an: Einfach wunderschön!!!


Und weil wir noch etwas Zeit hatten sind wir dann hinten noch in einen Wald gelaufen. Und was wir dort entdeckten, war fast noch schöner: Ein ganz kleiner Schrein (Shinto) mitten im Wald. Ich schrieb ja schon früher, dass Shinto Schreine eher meins sind, da sie sich so organisch in die Natur einfügen und immer ganz ruhige, friedliche Orte sind. Auch hier: Wie unberührt. Nur wir waren dort, naja, wir und ein paar Rehe. Unter anderem ein Kitz, das ganz zutraulich war.


Dann haben wir uns noch mitten im Wald verlaufen (wie sollte es auch anders sein, wenn die allerletzte Fähre wartet?) und so haben wir die letzten 10 Minuten im Spring verbracht. Jeder, der mich kennt oder DIESEN Eintrag gelesen hat weiß: Die Kirschblütenfee ist keine Sportskanone! Fix und fertig sind wir gerade noch rechtzeitig auf das Schiff gehüpft und dann müde aber glücklich zurück nach Kyoto gefahren.

Eure Kirschblütenfee


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen