Sonntag, 14. April 2013

Nahverkehr oder "Wo zur Hölle ist mein Zug und wo ist mein Geld abgeblieben?"

Auf der KirschblütenWunderland Facebook-Fansite gab es eine kleine Umfrage, worüber ihr gern mehr lesen wollt. Das Ergebnis: Japanischer Alltag und Kawaii-Dinge sind besonders gefragt, gefolgt von Sightseeing Japan. Gerne könnt ihr unten in den Kommentaren weiterhin Wünsche angeben! Ich komme diesen immer gern nach! =D

Heute starte ich also mit etwas Alltäglichem:

Nahverkehr oder "Wo zur Hölle ist mein Zug und wo ist mein Geld abgeblieben?"

Bahn und Bus fahren kann jeder. Denkst du! Ich habe mich zu Beginn wie eine 5jährige gefühlt, die ihre Mutter verloren hat und nun den Weg nach Hause sucht ohne lesen zu können. ^^

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht und mittlerweile halte ich nur noch an den Riesenstationen in Tokyo an, um nach dem Weg zu fragen. Zu Beginn habe ich aus Prinzip IMMER nachgefragt: "Wo fährt der Zug nach XY?" oder "Ist dies der Bus der nach XY fährt?". Wieso Prinzip? Erstens will man nicht erst nach 30 Minuten Fahrt merken, dass man völlig falsch ist und zweitens (und das ist der wichtigere Grund) kommt man so ins Gespräch! Ich habe nach jeder Gelegenheit gesucht mein Japanisch zu testen und zu verbessern und neue Menschen kennen zu lernen. Also fragte ich gern mal nach der richtigen Bahn, obwohl ich wusste, welche es war. Manche mögen sagen: Wie unsozial! Du beraubst den Leuten ihre Zeit, obwohl es nicht sein müsste! Ich sage: Die Japaner helfen gern und freuen sich, mit einer Ausländerin zu unterhalten (viele zumindest). Plus: Man erfährt interessante Dinge und fühlt sich sofort gut aufgenommen im fremden Land. =)

Die schlechte Nachricht: Japans Nahverkehr, insbesondere in Tokyo, ist ein Labyrinth. In Tokyo gibt es bspw. zig verschiedene Bahngesellschaften, sodass z.B. an der Shibuya Station vier unterschiedliche Gesellschaften operieren und insgesamt 8 verschiedene Linien fahren. Da für jede Linie zwei Richtungen existieren hat man also zwischen 16 Angeboten zu unterscheiden. Dazu kommt, dass man jeweils für die entsprechende Gesellschaft durch unterschiedliche Eingänge geht und so vorher wissen muss, was man will. Vor dem Bereich der Gesellschaft findet sich dann auch nur eine Übersichtskarte für die Stationen und Linien dieser Gesellschaft. Wenn man sein Ziel nicht findet hat man also noch 3 Orte zum Suchen... Yay! Und als ob das alles nicht genug ist gibt es teilweise nur Liniennetzkarten an der Wand mit Kanji (also den schwierigen, chinesisch abgeleiteten Schriftzeichen. Achja und selbst wenn unsere Schrift genutzt wird, wird es dadurch nicht unbedingt einfacher... ;-)

 http://2.bp.blogspot.com/-CqY_bFKDfdE/T2BYeP2tk5I/AAAAAAAADzI/eo-vLOU5PBk/s1600/G-TokyoRailway.jpg

http://www.google.com/url?sa=i&rct=j&q=&esrc=s&source=images&cd=&docid=EYZh3wayU5kkcM&tbnid=cb5fh4c6mAkwCM:&ved=&url=http%3A%2F%2Fimg.docstoccdn.com%2Fthumb%2Forig%2F28637201.png&ei=CJpqUczeJYqQiAePkoBY&bvm=bv.45175338,d.aGc&psig=AFQjCNG0p6-8FqevSn_eoPPg56xZKEw32g&ust=1366027145006290

Die gute Nachricht: Japans Nahverkehr ist das bestorganisierte Labyrith der Welt und verloren zu gehen ist fast unmöglich! Nicht nur, dass in den Großstädten die Bahnen mit englischen Stationsanzeigern ausgestattet sind (sogar in meinem Popelbus am Rand von Yokohama werden die Stationen auf Japanisch und in unseren Lettern angezeigt. Zudem sind die Stationen VOLL (und ich meine WIRKLICH VOLL) mit Personal, das einem helfen WILL! In Shibuya zum Beispiel gibt es mindestens zwei Herren, die einfach nur umher gehen und auf der Suche nach Touristen sind, die nicht weiter wissen. Ich bin einmal kurz stehen geblieben, um etwas zu trinken und schwupps, stand der nette Herr neben mir (mit besonders gutem Englisch) und fragte mich wo ich hin möchte. Auf meine Antwort hin (die Japanisch war) antwortete er wiederum auf Englisch, dass er mich bringen würde. Nicht unüblich in Japan. Ich wurde schon sehr oft von hilfsbereiten Japanern bis zu meinem Zielort gebracht, damit mir ja nichts auf dem Weg passiert... 
Der nette Herr in Uniform lief also bestimmt 10 Minuten vor mir her und machte mir freundlich aber bestimmt den Weg zwischen all den hunderten Leuten frei. Ein wenig peinlich. Ich war dann froh, als ich mich endlich vielmals bedanken konnte (abermals auf Japanisch) und der Herr dann zufrieden zurück stapfte. Wahrscheinlich geht es ihm wie mir und er möchte auf Teufel komm raus seine Sprachfertigkeiten optimieren. =)

Also: Keine Angst! Ihr geht nicht verloren! Es ist immer jemand da, den man fragen kann! Und wenn man kein Japanisch kann und auf nicht englischsprachiges Personal trifft (außerhalb Tokyos fast immer), dann werden die netten Helferlein nicht aufgeben, bis man seinen Weg gefunden hat. 

"Wo zur Hölle ist mein Zug?" ist also erklärt. Aber wieso "Wo ist mein Geld?"?
Nein, natürlich wurde ich nicht in der Bahn beklaut, ist ja nicht Barcelona hier. Auch wenn das viele Japaner denken und Angst vor allem haben. Nahverkehr in Japan ist einfach teuer. Meine Kosten für einen Monat Bus und Bahn: Etwa 300€. Nix mit Monatskarte...

Alles was ich habe ist meine PASMO Karte. Darauf zahlt man für eine bestimmte Strecke alle Fahrten für einen Monat im Voraus, sodass man die Karte nur noch an den Eingangsautomaten halten muss (hier ist die Karte in meinem süßen PASMO Täschchen). Ich dachte ja, dass man wenigstens etwas Rabatt bekommt, aber Pustekuchen.

 
Fairerweise muss man ja sagen, dass alle Busse und Züge dafür immer sekundengenau losfahren. Außer wenn sich mal wieder jemand vor die Bahn geworfen hat, das dauert dann insg. etwa 10 Minuten bis die Züge wieder fahren... Deswegen findet man auch diese Schutzwände, die erst aufgehen, wenn der Zug steht. So kann man nicht "außversehen" auf die Gleise fallen.



Auch sind alle Züge alle paar Minuten zugänglich. Man muss nie lange warten, auch nicht Abends oder am Wochenende. Eine Einschränkung gibt es: Nach 12 kommt man nicht mehr nach Hause! Da fährt einfach mal gar nichts mehr. Das macht verständlich wieso die wenigen (Japaner sind nicht so die partywütigen) Clubs ab 8 Uhr aufhaben und dann auch schon voll sind.

Aber nach der Reihe. Wie ist das am Bahnhof?
Man kommt an und geht (wenn man keine PASMO Karte hat) zum Ticketautomaten, dort sind auch immer Übersichtskarten, auf denen man sehen kann wieviel der Spaß kostet. Viele Automaten lassen sich auf Englisch umstellen! Mit dem Ticket geht man dann zur Schranke und schiebt das Ticket rein und vergisst NICHT es an der anderen Seite wieder mitzunehmen (!!!). Dann gehts in die richtige Bahn und am Zielbahnhof steckt man sein Ticket wieder in den Schrankenautomaten und wundert sich, wo diesmal die Karte bleibt. Die wird nämlich einbehalten und man geht mit leeren Händen. Da es hier zu gut wie keine Mülleimer auf der Straße gibt (jeder nimmt seinen Müll wieder mit nach Hause) ist das gar nicht schlecht.







Wie alles in Japan hat auch meine örtliche Bahngesellschaft ein niedliches (kawaii) Maskottchen: Hamarin!

(http://farm1.staticflickr.com/35/73810001_644bb2cd81_z.jpg?zz=1)

Und wie ist das mit den vielen Menschen in der Bahn und den Schaffnern, die einen dann rein drücken? Gibts das echt? JA!

Morgens (v.a. Richtung Tokyo) und Abends (aus Tokyo raus) ist es so voll, dass man es sich als Deutsche/r gar nicht vorstellen kann. Es ist so voll, dass man mit unzähligen fremden Personen so engen Körperkontakt hat wie nie zuvor und sich dabei fühlt wie eine Sardine in einer Dose.


Hier sieht man schön die Uniform samt weißen Handschuhen und eine fast volle Bahn (in Deutschland eher übervoll). Fast voll heißt: Es musste nicht gestopft werden. Ich habe kein Foto aus einem übervollen Waggon, denn glaubt mir, wenn man sich darin befindet kann man einfach nicht seine Kamera aus der Tasche holen und selbst wenn man es könnte wäre der Rest nich gerade begeistert, dass man sie fotografiert. Aber da gibt es ja genügend andere aufdringliche Menschen, die sich das bereits erlaubt haben und so gibt es schon Foto- und sogar Videomaterial:


Das Ganze einmal aus Spaß mitzumachen ist ja toll, aber jeden Morgen eher nicht...

Das war es für heute, ich hoffe es hat euch gefallen etwas Einblick zu bekommen!

Eure Kirschblütenfee

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