Donnerstag, 14. März 2013

White Day oder Emanzipation auf Japanisch

Heute ist White Day! Was das ist? 
In Japan verschenken die Frauen am 14.02, also dem Valentinstag Schokolade an Männer. Und nicht nur an ihren Freund, sondern an alle möglichen Männer, zum Beispiel im Büro!
Nun gibt es einen neuen Feiertag, der die Wirtschaft ankurbeln soll: Der White Day. Genau einem Monat nach dem Valentinstag sollen nun auch die Frauen beschenkt werden. Ob Schokolade, Blumen oder Schmuck, das ist egal.

Ich fragte nun also vor ein paar Tagen meinen Gastpapa, was er meiner Gastmama schenken würde. Er sagte mit einem Lachen: "Takusan no love!" (Viel Liebe!). Einerseits kann ich ihn da voll verstehen. Ich boykottiere den Valentinstag auch jedes Jahr und bin damit zufrieden (mein Mann übrigens auch). Allerdings hatte ich hier das Gefühl er macht es sich ein wenig zu einfach.

Die Vorgeschichte: Meine Gastmama ist eine typisch japanische Mutter: Sie tut alles für ihre Kinder (beides Jungs und mittlerweile schon mitte 20 und Zuhause lebend) und ihren Mann. Obwohl mein Gastpapa seit Kurzem in Rente ist und sie noch halbtags arbeitet schmeißt sie den gesamten Haushalt alleine und die Herren lassen sich größtenteils bedienen. Auch geht sie immer zuletzt in die Badewanne, obwohl sie häufig vor Müdigkeit beim Warten schon einschläft. Die Herren (und ich) dürfen allesamt vor ihr baden. Das liegt nicht daran, dass sie in ihrer Männerrolle Chef sein wollen, sondern daran, dass ihnen immer alles hinterher getragen wurde und es eben immer so war. Das ist hier absolut üblich, aber anfreunden kann ich mich damit nicht. Mich hat das schon die ganze Zeit ein wenig kirre gemacht, dass die Frau hier alles macht und sich abmüht und die Herren die Füße hoch legen. Ich wollte keine schlechte Laune verbreiten, deswegen habe ich die letzten Wochen erst einmal nichts dazu gesagt und es so gut es ging ignoriert. Als mein Gastpapa (der sonst ein wirklich toller Mann ist) allerdings nicht einmal eine kleine Anerkennung für die viele Arbeit meiner Gastmama parat hatte nahm ich mir ein Herz und meine Gastmama zur Seite.

Ich ermutigte sie auch mal Arbeit abzugeben und ihre Jungs zu mobilisieren. Zudem habe ich nun einen Frauennachmittag eingeplant, an dem wir Klamotten kaufen gehen und einfach mal die Füße hochlegen und nichts tun außer reden und das, wozu man gerade Lust hat (meine Gastmama möchte unbedingt mal falsche Wimpern ausprobieren *g*). Mal sehen, wie es wird. =)

Nachdem ich mit ihr gesprochen hatte war ich unsicher, ob ich vielleicht zu weit gegangen war. Ich mit meinen 24 bin im Alter ihrer Söhne. Ich bin hier zwar Teil der Familie, aber trotzdem erst seit Kurzem da und dann direkt die Familienordnung umkrempeln zu wollen ist schon sehr deutsch. Also sehr energisch.

Heute dann die Überraschung: Ich hatte den Tisch mit frischen Blumen, einer Karte und einer Leckerei für meine Gastmama dekoriert. Sie war ganz verwundert wieso und ich erklärte, dass wenn der Mann nichts zum White Day schenkt ich das eben übernehme und Danke sage für all das was sie jeden Tag tut. Wir Frauen müssen doch zusammen halten. Sie war verwirrt und gleichzeitig erfreut . =) Und dann war es so weit: Auf einmal sagte sie tatsächlich zu einem Sohn: "Hole bitte die Wäsche rein!" und zu mir: "Bitte räume das Spiel weg!"

Ich war so baff und gratulierte ihr erst einmal augenzwinkernd. Sie war sichtlich stolz und erklärte mir, dass sie bei einem Aufenthalt in Deutschland gesehen hatte, dass die ganze Familie (und vor allem der Mann auch) mit anpackt. Seit dem hat sie dieser Gedanke immer verfolgt und sie hatte nur nie den Anstoß es mal selbst zu versuchen. Sie war stolz, ich war stolz und heute Abend war sie als Zweite in der Badewanne. =)

Ich bin ganz glücklich von so viel Frauenpower. Aufklärung, Emanzipation und Mündigkeit ist eben nie veraltet und gilt nicht nur für die Bildung des Nachwuchses, sondern auch für mündige japanische Frauen, die sich trauen auch mal nein zu sagen!

Eure Kirschblütenfee



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