Montag, 4. März 2013

Sightseeing Japan: Maid Café

Wie bereits angekündigt, war der Besuch eines Maid Cafés so einschneidend, dass ich dazu nun einen eigenen Beitrag schreibe. =)

Maid Café

Zunächst das Wichtigste: Ich kann mit keinem Beitrag, sei er noch so detailliert, die Erfahrung des Maid Cafés auch nur ansatzweise wiedergeben. Ich saß noch Abends im Wohnzimmer und brummelte immer wieder: "Ich kann es nicht glauben!" und "Das war das Verrückteste in meinem ganzen Leben!". Ich kann es wirklich jedem nur empfehlen, der etwas wirklich Verrücktes erleben möchte. Wenngleich ich persönlich nach dem einen Mal nicht noch einmal hingehen würde, war es definitiv eine Erfahrung fürs Leben und ich bin froh, dass ich mich (zusammen mit einer Freundin) dort rein getraut habe. Das werde ich meinen Enkelkindern noch erzählen. XD

Wo fange ich an? Am Besten chronologisch. Meine Freundin Nobuko und ich sind durch Akihabara gelaufen, weil wir auf der Suche nach einem Maid Café waren. Nobuko war auch noch nie in einem solchen Café und so waren wir beide gespannt und ein bisschen aufgeregt. Akihabara ist voller Männer und überall ist viel Werbung und etliche Elektroläden.




 










Überall standen Mädels in Maidkostümen und verteilten Flyer, um Leute in die Cafés zu bekommen. Nobuko erzählte mir, dass vor etwa vier Jahren ein riesen Maid Café Boom war und es nun schwerer ist Kunden ins Café zu bekommen.

Nachdem uns eine Maid bequatscht hatte brachte sie und direkt ins Café. Das "MaiDreamin". Sie war nun zunächst unsere Maid und hieß uns Willkommen. Das Café selbst war sehr klein und wir saßen an einer Art Bar. Außer uns waren noch sechs Männer dort. Zudem wuselten 5 Maids herum. Das Café war in pastelltönen gehalten, die Einrichtung schon ein wenig abgenutzt, aber in Ordnung. An der Wand hingen viele Fotos von den einzelnen Maids. Wo sind die Fotos? werdet ihr nun vielleicht denken. Tja, in Maid Cafés darf man nicht fotografieren! Erstens verdienen sie mit Fotos ihr Geld (kommt später) und zweitens gab es sicherlich genug notgeile Männer, die den Mädels unter die kurzen Röcke fotografiert haben. Sowas kommt ja hier in der U-Bahn auch häufiger vor. Folglich habe ich keine Fotos von dem Besuch. Außer eins und das kommt am Schluss. Aber dank der MaiDreamin Website gibts ein paar Fotos. Ja, anscheinend gehen dort auch Familien mit Kindern hin. Bei unserem Besuch waren aber nur japanische Männer und nicht gerade die von der schnieken Sorte...



Ja also, wir kamen an und wurden an der Bar platziert. Allein der Eintritt (!) kostete 500Yen. Nur dafür, dass wir rein durften. Obwohl das Café ja nicht wirklich außergewöhnlich war. Aber: Dabei geht es auch nicht um das Café! Es geht einzig und allein um die Mädchen in ihren knappen Kostümen. Wir hatten uns gerade hingesetzt und nervös umgeschaut, weil die Atmosphäre irgendwie merkwürdig war, da kam unsere Maid mit einem Plastikteelicht und wir durften dann alle zusammen klatschen und von drei runter zählen. Nun waren wir Prinzessinnen! =) Die Kerzen gibts übrigens als Merchandise für knapp 500Yen zu kaufen... O.o

Man brachte uns eine englische Speisekarte und BÄM, wir waren geschockt. Wir wussten vorher, dass das Maid Café teuer wird und so wollten wir nur etwas Trinken oder ein Minidessert essen. Auf dem englischen Menü waren aber nur ganze Sets. Also ein Hauptgericht mit Getränk und einem Foto mit einer Maid für etwa 3000 Yen (ca. 25€). Nobuko schaffte es jedoch (sie ist schon ein wenig eingedeutscht *g*) auf einer japanischen Karte zu bestehen und dort, Oh Wunder, waren alle Dinge einzeln aufgelistet. Wir entschieden uns für Kuchen mit einem Getränk für 900Yen. Während wir ewig auf unseren Eistee warteten beobachtete ich das Geschehen. Die Maids liefen herum, putzen, unterhielten sich, machten untereinander Fotos und waren besonders "kawaii" (also niedlich). Mit den Kunden sprachen sie eher wenig. Zu jedem Getränk oder Essen gibt es bestimmte Abläufe, so hatten zwei Männer (um die 40) Omureis bestellt. Auf die Eidecke malte dann die Maid mit Ketschup vor den Augen der Männer niedliche Bilder (siehe Foto) und gemeinsam klatschten und sangen sie vor dem Essen. Als unser Eistee endlich kam wurde uns nebenbei gesagt, dass die 500Yen Eintritt nur für die erste Stunden gelten. Danach zahlt man 2000Yen! Wir schauten nur nervös auf die Armbanduhr (im Café hing natürlich keine) und achteten ab da darauf unter einer Stunde aus dem Laden raus zu kommen. Dies erwies sich als schwieriger als gedacht. 

Die Eistees kamen und damit auch eine Routine: Die Maid machte uns es vor und wir mussten dann mitmachen. So lange bis es klappt. Und zwar. Die Zeigefinger malen ein Herz, dabei: "oishiikunade". Dann wird geklatscht: "moe moe" und zum Schluss "nyang nyang". Dabei wird bilden erst Zeigefinger und Daumen der einen Hand eine Hälfte eines Herzes und beim zweiten Nyang kommt die zweite Seite dazu. Übersetzung ist schwierig, aber oishikunade ist sowas wie sehr sehr lecker und nyang nyang heißt miau miau. Wir freuen uns einfach auf das superleckere Essen oder Trinken und machen am Ende auf Kätzchen. Muss ich dazu noch was sagen? ... =)

Wiegesagt, es waren zunächst 6 Männer da, aber schnell waren es nur noch 4, dann 2. Trotzdem 5 Maids am rumwuseln. Sie taten eigentlich nichts außer hin und her zu laufen und sich zu unterhalten. Sie sprachen zwar superhöflich mit uns (wir waren ja Prinzessinnen), aber man merkte schnell wie aufgesetzt dies war und dass sie eigentlich keine gute Laune hatten. Man konnte halb in die kleine "Küche" (Miniraum) schauen und sah dort immer wieder angespannte, müde Gesichter. Generell sprach man mit uns nur, wenn etwas serviert wurde. Wahrscheinlich haben wir zu wenig Geld ausgegeben.

Als der Kuchen endlich kam (es war über eine halbe Stunde nach Start) waren wir überrascht: Er sah SUPERLECKER aus und die Maid hatte niedliche Bilder auf den Teller gemalt. Wirklich nett. Nobuko hatte Hello Kitty und ich ein Häschen aus Schokosoße. Hier ein Beispielbild (wobei wir besagte Zeichnungen hatten und unser Kuchen aus mehreren Schichten Sahne, Früchten und Biskuitboden bestand). Dazu natürlich wieder: "oishiikunade moe moe nyang nyang"! 

Der Kuchen sah nicht nur lecker aus, er war es. Er war SUPERLECKER! Wenigstens hat der teure Kuchen also gut geschmeckt. Wir waren erleichtert. Alles war endlich da und lecker. Während ich meinen Kuchen naschte musste ich immer wieder zu den Männern rüber schielen, die weniger miteinander beschäftigt waren, als damit den Mädchen in ihren Kostümen hinterher zu gucken. Igitt. Schnell wieder auf den Kuchen schauen und die merkwürdige Stimmung vergessen. 

Die Stimmung ist schwer zu beschreiben, aber ich versuche es: Die Maids sehen sehr unschuldig süß aus und würden sich nie irgendwie anrüchig benehmen, sie sind eher wie kleine Kinder! Und das Café ist auch süß dekoriert. Also kein Ort, an dem man sich unwohl fühlen sollte. ABER alles ist wie ein Vorhang hinter dem viel mehr steckt. Die Mädels, so niedlich, kindlich und unschuldig sie auch wirken, sind genau das nicht. Sie kalkulieren genau, wie sie am meisten verdienen können und lassen die Kunden lange warten. Trotzdem laufen sie immer wieder um die Kunden herum und die Kunden wissen, dass wenn sie etwas bestellen, die Maid ihnen ganz viel Aufmerksamkeit schenkt. Diese Situation kombiniert mit den merkwürdigen Männern, die sich die kindlichen Bedienungen (sie spielten auch Spiele und sangen!) anschauten war einfach extrem merkwürdig. Ich fühlte mich wie auf den Mars geschossen und war einfach nur baff.

Inwiefern die Mädels dort den Job gern machen bleibt offen. Ich vermute mal, dass bei so hohen Preisen auch einiges bei ihnen hängen bleibt. Man kann dort sicherlich gut verdienen. Vielleicht ziehen sie ja auch wirklich gerne diese Kostüme an (in Japan nicht undenkbar!), aber die Verwirrung bleibt.

Mit meinen Kindern würde ich dort definitiv nicht hingehen. Und auch würde ich nicht noch ein zweites Mal solch ein Café besuchen. Ich fühlte mich ein wenig wie mitten in einem Pornokino, dass in rosa Watte gepackt ist und im Film kommen kleine Mädchen vor...

Wie gesagt, ich bin immer noch geschockt. ABER: Es war eine Erfahrung wert! WIRKLICH! Ich bin froh, dass ich es mir selbst angeschaut habe und nun meine eigene Meinung bilden kann. Definitv etwas, dass man nur in Japan erleben kann. Aber bitte denkt nun nicht, dass das hier ganz normal ist und jeder gern dort hin geht! So ist es definitiv nicht. Maid Cafés sind nicht typisch Japan, sondern Japan extrem. ;-)


Zuletzt das versprochene Foto. Ich bezahlte nochmal 500 Yen extra um ein Foto machen zu dürfen. Ich dachte einfach, dass ich von diesem Erlebnis definitiv ein Beweisfoto benötige. Vor dem Foto musste ich mir Tierohren aussuchen, ich habe die dezentesten genommen. Nicht, dass ihr denkt, dass ich so durch Tokyo laufe... Dazu natürlich wieder: Nyang, nyang! Also Miau, Miau. Mit den Katzenpfötchen. Oh weih...
Die Maid (sie hieß übrigens Fu-chan, wobei chan die Endung für Kinder ist, also verniedlicht. Mich nannte sie Re-nyang. Mein Name wird nämlich im Japanischen re-o-ni- geschrieben, da Le und Re zu einem Zwischenlaut kombiniert werden. Ich bin nun also Le/Re-Miau. Top.) malte dann noch kleine Dinge aufs Foto.


Und nun seid ihr dran:
Würdet ihr in ein Maid Café gehen? Wieso?
Findet ihr die ganze Sache vielleicht unschuldiger als ich?
Vielleicht bin ich ja nur durch meine Heimatstadt, inklusive Reeperbahn, geprägt...

Eure Kirschblütenfee

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